Den Blick schärfen – Teil 2
Vor langer Zeit als ich (Scott) anfing zu fotografieren, war ich davon überzeugt, dass die Kamera mich zu einem besseren Fotografen machen würde. Als meine Leidenschaft für Fotografie zunahm, versank ich in sämtlichen Foto-Magazinen und Fachbüchern. Ich studierte die Werke von Fotografen wie William Albert Allard, Mary Ellen Mark, und Gordon Parks um mehr Einsicht zu erhalten und Informationen zu finden über ihr Kamera Equipment. Mein Fehler war zu glauben, dass ich dasselbe Equipment benötigen würde, um gute Fotos zu machen. Aber egal welche tollen Kameras und Gerätschaften ich fand, ich kam immer wieder zurück zu derselben Kamera mit denselben Objektiven (eine alte Minolta SLR mit einer handvoll Objektiven)... Warum? Weil es das war, was für mich funktionierte.
Viele Jahre später prägte Chase Jarvis den Satz: "Die beste Kamera ist die, die du bei dir hast." Es ist also nicht wichtig welchen Foto du benutzt, sondern wie du ihn benutzt. Diese besagten Objektive spielen eine sehr wichtige Rolle, aber mehr dazu in einem anderen Beitrag.
BELICHTUNG
Benutzt du eine moderne Kamera, wird diese, wenn du durch den Sucher schaust und den Auslöser halb gedrückt hälst, eine Belichtungsmessung machen (und fokussieren). Kurz, sie schaut wieviel Licht zur Verfügung steht. Dies nennt man EV (Exposure Value/Belichtungsmessung) und ist die Basis für dein Foto, beruhend auf deinen Einstellungen. Die Kamera welche ich benutze hat drei grundlegende Messarten. Da nicht jeder dieselbe Kamera hat, musst du bei deiner genau nachschauen, bzw. das Handbuch zu Rate ziehen.

Deine Kamera misst nur das Licht, welches es sehen kann und wird bei verschiedenen Lichtgegebenheiten evt. nicht korrekt messen. Das EV der Kamera ist also nur eine Richtlinie die irgendwo von einem Hersteller festgelegt wurde und muss nicht die richtige Messung für dein Bild sein.

Die drei Aspekte (Einstellungen) deiner Belichtung liegen alle in deiner Hand. Änderst du einen hat das nicht nur Einfluss auf dein letztendliches Bild sondern auch auf einen oder die beiden anderen Einstellungen. Ich fototgrafiere z.B. gerne im A-Modus (Aperture Priority). Ich stelle f/ (die Blende) auf die Tiefensschärfe, welche ich erzielen will. Das ISO passe ich den Lichtgegebenheiten an (das ist abhängig von der Belichtungszeit). Passe ich meine Blende an und lasse das ISO wie es ist wird meine Kamera automatisch die Belcihtungszeit ändern. Denke immer daran, dass DU das Foto machst, nicht deine Kamera.
Es gibt zwei tolle Arbeitshilfen in deiner Kamera, welche dir helfen deine Belichtungsmessung anzuschauen und anzupassen: Das Histogramm und der EV-Abgleich. Werden beide richtig benutzt, erspart dir das eine Menge Zeit wenn du die Bilder später bearbeitest.
Benutzt du das Histogramm, mag das am Anfang ins unermessliche gehen, aber es ist etwas, dass jeder Fotograf verstehen sollte um das beste Ergebnis seiner Kamera zu erhalten. Mehr dazu ein andermal.
Lichtsetzung – Die ersten Schritte Teil 2
1. Großflächige oder punktuelle Lichtquelle
Je großflächiger die Lichtquelle ist, umso weicher wird das Licht. Je punktueller, umso härter. Eine großflächige Lichtquelle verringert den Schatten, reduziert den Kontrast und dämpft die Strukturoberfläche. Eine punktuelle Lichtquelle bewirkt das Gegenteil.
Dies geschieht weil das Licht bei einer großflächigen Lichtquelle dein Objekt von mehreren Seiten trifft, was dazu führt, dass die Schatten ausgefüllt werden und die ganze Szene mehr, sowie weicher beleuchtet.
2. Nahe oder Entfernte Lichtquelle
Je näher das Licht ist, umso weicher wird es sein. Je weiter entfernt umso härter.
Je näher du das Licht heranführst, umso größer (also großflächiger) wird es in Relation zu deinem Objekt. Ziehst du das Licht weiter weg, wird es kleiner und somit punktueller.
3. Zerstreuung
Durch Zerstreuung wird das Licht verteilt und man erhält dadurch grundsätzlich eine großflächigere und damit weichere Lichtquelle. An einem bedeckten oder nebligen Tag wird der ganze Himmel zu einer einzigen sehr großflächigen Lichtquelle - die Himmels-Softbox.
Materialien wie transparentes Plastik oder weißes Tuch zerstreuen hartes Licht. Man kann einen Streukörper oder Diffusor vor ein künstliches Licht anbringen wie z.b. ein Reflektorschirm. Oder wenn du in der grellen Sonne bist, benutze ein helles Zelt oder einen weißen Stoff um das Licht, welches auf dein Subjekt fällt, zu dämpfen.
4. Abprallendes Licht
Abprallendes Licht funktioniert wie Zerstreuung. Ziele mit einer punktuellen Lichtquelle auf eine großflächige, matte Oberfläche (wie z.B. eine Wand, die Decke oder einen matten Reflektor) und es reflektiert nicht nur das Licht sondern zerstreut es über eine weite Fläche hinweg.
Benutzt du jedoch einen glänzenden Reflektor wird das Licht punktuell abprallen. Der extremste glänzende Reflektor ist der Spiegel. Das Licht wird punktuell reflektiert. Prallt das Licht von einer farbigen Oberfläche ab, kann dies die Farbbalance, bzw. die Temepratur deines Bildes ändern.
5. Das Abstandsgesetz
Das Abstandsgesetz (im Bezug auf Fotografie) besagt "Je weiter entfernt die Lichtquelle, um so mehr nimmt das Licht ab". Es wird also im Bezug auf dein Subjekt schwächer.
Die Regel sagt, dass das Licht abnimmt im Quadrat zu der Distanz. Das hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wenn du das Licht doppelt so weit von deinem Subjekt entfernst, hast du am Ende nur noch ein Viertel des Lichts auf deinem Subjekt.
In anderen Worten: das Licht wird schwächer wenn du es entfernst. Bedenke, dass hier auch das abprallende Licht (auch in einen glänzenden Reflektor) dazuzählt. Licht wandert.
6. Lichtfall
Du kannst deine Lichtquellen benutzen um den Bezug zwischen deinem Objekt und dem Hintergrund zu variieren. Wenn du das Licht nah an dein Objekt heranbringst, wird der Lichtfall auf den Hintergrund betonter. Ist das Licht weiter weg vom Objektjekt wird der Hintergrund relativ heller sein weil mehr Licht sich vom Subjekt auf den Hintergrund verteilt.
Dasselbe gilt für Seitenbelichtung. Ist eine Lichtquelle nahe an der Seite deines Objekts wird der Lichtfall über das Bild betonter sein wie wenn es weiter entfernt ist.
7. Frontales Licht
Frontales Licht schwächt die Strukturoberfläche. Licht von der Seite, von oben oder unten betont diese. Ein Portrait-Fotograf möchte die Lichtquelle nahe an der Linie des Objektivs beibehalten um Hautfalten zu dämpfen, während ein Landschaftsfotograf eher Seitenlicht bevorzugt um die Oberfläche von Steinen, Sand und Laub hervorzuheben. Generell ist mehr Oberflächenstruktur sichtbar je höher Winkel des Lichteinfalls auf das Objekt ist
8. Schatten
Schatten bringen Tiefe und Volumen in das Bild. Licht von der Seite, oben oder unten werfen tiefe und lange Schatten welche Volumen geben. Stilleben-, Produkt- und Landschaftsfotografen benutzen aus diesem Grund abgewinkelte Lichtquellen.
Positionier ein Licht hoch über deinem Objekt und leicht an der Seite und nach unten abgewinkelt. aber nicht so stark, dass der Schatten der Nase zu sehr auf der oberen Lippe zu sehen ist.
9. Gegenlicht
Gegenlicht kann man als eine stark zerstreute Lichtquelle benutzen. Eine Person, welche mit ihrem Rücken zu einem hellen Fenster steht, wird mit reflektierendem Licht von einer gegenüberliegenden Wand beleuchtet. Jemand der draußen mit dem Rücken zur hellen Sonne steht wird durch das Licht des Himmels von vorne beleuchtet. Wenn man eine helle Lichtquelle im Hintergrund benutzt und den Lichtfall dessen auf das Objekt reflektiert, wird man die Oberflächestruktur des Gesichts schwächen.
10. Farbe
Licht besitzt Farbe, obwohl es "weiß" aussieht. Dies nennt man Farbtemperatur und unser Gehirn kann diesen Eindruck sehr gut anpassen, so dass wie es kaum wahrnehmen.
Digitale und Analoge Kameras können jedoch Lichtfärbungen aufnehmen, die unser Auge nicht gesehen hat. Die Farbe des frühen Morgens oder des späten Nachmittags sind warm wohingegen die Mittagssonne bläulich sein kann.
Klare Glühbirnen werfen ein gelbliches Licht. Und jede Oberfläche von der dieses Licht abprallt fügt seine eigene Farbe hinzu. Mit einer digitalen Kamera kann man den Weißabgleich einstelen um die Lichtfärbung zu ändern oder um diese zu betonen wie zum Beispiel bei einer Landschaft oder einem Portrait eine wärmere Lichttönung zu geben.
Tips umsetzen
Wenn du einmal im Studio fotografiert hast, ergeben diese Tips viel mehr Sinn. Was viele Leute nicht verstehen wenn sie das erste mal im Studio sind ist...
Der Studio-Blitz hat normalerweise zwei Lampen. Ein Einstellicht und die Lampe für den eigentlichen Blitz. Diese Lampen können unterschiedliche Farbtemperaturen haben. Wenn du dein Licht positionierst, zeigen dir die Einstellampen den Lichtfall. Du wirst die Schatten sehen und eine Eindruck bekommen wie hart oder weich dein Licht ist. Wenn du allerdings blitzt, kann es sein, dass die Farbtemperatur anders ist als das, was du vorher gesehen hast.
Haben deine Fotos eine komische Lichtfärbung, kann es sein, dass du deine Kamera auf "Automatischen Weißabgleich" (AWB) gestellt hast. Deine Kamera hat den Weißabgleuch des Einstellichts gemessen, welches viel wärmer ist als der Blitz.
Tipps zur Portraitfotografie – Teil 1
Portraitfotografie ist die primäre Rolle eines jeden Studiofotografen. Das Ziel ist es, die Persönlichkeit und Stimmung der Person zu zeigen. Es gibt so viele Tricks, Tipps und Ideen da draußen, also dachte ich (Scott), wir könnten anfangen ein paar davon hier zusammenzutragen.
Dieser Blog-Eintrag beinhaltet eine Idee, für die ich eure Feedback brauche. Ich hoffe, daß daraus ein lange anhaltende Serie wird, basierend auf euren Ideen und eurem Feedback. Schreibt einfach eure Vorschläge unten als Kommentar dazu und immer wenn wir genug neue Tipps für Portraits haben, machen wir daraus einen neuen Teil der Portrait-Serie.
1. Passe Deine Sicht an: Die meisten Portraits werden mit der Kamera ungefähr auf Augenhöhe des Subjektes fotografiert. Das ist auch sinnvoll, aber eine drastische Änderung des Blickwinkels kann Deinem Portrait einen echten "Wow-Faktor" verleihen. Und eine ganz andere Botschaft rüberbringen. Werde kreativ mit der Pose und der Position. Nicht nur mit den Posen des Subjektes, sondern auch mit Deiner eigenen Position, mache aus möglichst vielen Winkeln Aufnahmen, um unterschiedliche Wirkungen zu erzielen.
2. Augenkontakt: Die Blickrichtung des Subjektes hat eine große Auswirkung auf das Bild. In den meisten Portraits schaut die Person genau in die Kamera. Dies kann eine echte Verbindung zwischen der Person und dem Betrachter ergeben. Aber man kann noch andere Sachen versuchen:
Aus dem Bildrahmen herausschauen: Das Subjekt soll hierbei seinen Fokus und seine Aufmerksamkeit auf etwas lenken, was für den Betrachter unsichtbar und außerhalb des Bildes liegt. Das kann ein Gefühl der Offenheit hervorbringen, und auch ein wenig mysteriös und interessant wirken, da sich der Betrachter des Bildes dann sicher fragt, was das Subjekt in dem Moment wohl gerade angesehen hat. Besonders gut kann man diesen mysteriösen Effekt hervorrufen, wenn die Person irgendeine Emotion zeigt (z.B. "Worüber lacht Sie?" oder "Warum ist Sie überrascht?"). Aber vergesst nicht, daß wenn das Subjekt aus dem Bildrand herausschaut, dies auch den Blick des Betrachters an den Rand ziehen kann, und somit weg vom eigentlichen Mittelpunkt.
Blickrichtung innerhalb des Bildrahmens: Als Alternative kann die Person den Blick auf jemanden (oder etwas) innerhalb des Bildes gerichtet haben, z.B. eine Mutter auf ihr Baby, ein Mann auf seine Uhr, ein Kind auf ein Spielzeug etc... Auf diese Weise entwickelt sich ein zweiter Bezugspunkt zwischen dem betrachteten Objekt und der Zielperson. Es hilft auch dabei, eine "Story" in dem Bild zu erzeugen.
3. Breche die Regeln: Mit das Erste was man liest, wenn man mit der Fotografie anfängt ist die "Drittel-Regel". Das ist keine Regel die immer befolgt werden muss, sondern eher eine Faustregel die man auch mal brechen sollte. Platziere Dein Subjekt an den Rändern oder in der Mitte, oder in einer Ecke.
4. Beleuchtung: Es gibt viele Arten wie du das Licht in Deinen Portraits nutzen kannst. Zögere auch hier nicht, etwas zu experimentieren. Benutze mehr Licht, weniger Licht, andere Lichtformer, Licht aus dem Hintergrund, oder was immer du willst, es ist schließlich Dein Foto.
5. Nimm die Leute aus ihrer "Komfort-Zone" - bringe sie dazu etwas spaßiges und ausgeflipptes zu tun, wie z.b. einen Luftsprung. Diese Aufnahmen werden fantastisch gut, ungewöhnlich und einzigartig. Das klappt nicht bei jedem, aber kann sehr lustig sein. Und Du musst auf das Timing achten.
6. Bildbearbeitung ("Shopped"): Wenn du in der Nachbearbeitung und Bildmanipulation gut bist, nutze das zu Deinem Vorteil. Setze Deine Phantasie ein, oder versuche ein paar neue Photoshop-Techniken. Selbst die einfachsten Anpassungen wie Belichtungskorrektur und Schnitt können das Bild komplett verändern.
7. Struktur/Textur: Falls Struktur eine wichtige Eigenschaft Deines Subjektes ist, kannst Du dies betonen und deutlicher machen, beispielsweise die Gesichtsfalten einer älteren Person oder das lange rote Haar.
8. Belichtung: Wenn die hellen Lichter so verstärkt werden, daß sie ausgewaschen wirken, kann dadurch ein schönes weiches Portrait mit einer leichten, luftigen Stimmung entstehen. Eine weiterer Vorteil von solchen High-Key Fotos ist, daß all die kleinen Details und eventuelle Fehler ausgewaschen werden, so daß das Bild viel glatter erscheint. Oder ein Low-Key Bild, in dem die dunklen Bereiche dominant sind, zieht Deinen Blick auf natürliche Weise auf die helleren Bereiche. Diese haben dann auch ein grobkörnigeres und härteres Aussehen als die High-Key Bilder.
9. Requisiten: Füge eine beliebige Requisite zu Deinen Aufnahmen hinzu und du erschaffst einen weiteren Bezugspunkt, welcher Deine Aufnahme verbessern kann. Aber sie sollte auch dem Stil des Fotos welches du machst entsprechen, gebe z.B. einem Sänger ein Mikrofon.
10. Kultur: Fange die lokale Kultur ein, denn was für Dich alltäglich ist, ist für uns exotisch. Kultur ist überall, auch in Deiner Stadt. Stell Dir einfach vor, Du wärst zu Besuch in einem anderen Land, welche Dinge würden Dir dann interessanter erscheinen?
7. lightGIANTS Freitags Workshop “Beauty-Dish gg. Soft-Box″ [Rückblick]
Während des "Studio 101" Workshops kam häufig das Thema der verschiedenen Lichtformer auf. Daher haben wir uns entschieden, einen Workshop auf der Idee “Beauty-Dish gegen Soft-Box″. Das Konzept war einfach: Wir haben eine große Softbox im 45° Winkel zum Model aufgestellt und haben einige Fotos gemacht. Nach dem jeder seine Bilder gemacht hatte, haben wir die Softbox gegen einen weissen Beauty-Dish getauscht, danach gegen einen silbernen und zum Abschluss gegen einen silbernen Beauty-Dish mit Wabengitter.
Caroline, eine Schneiderin aus der Gegend, hat als Model ihre tollen Kleider, die sie in Handarbeit der Tudorperiode nachempfunden hat. Ein besonderer Dank noch mal für die fantasische Arbeit und die tollen Kleider.
Laura
Thorsten
Nachdem alle die verschiedenen Lichtformer ausprobiert haben und wir die Unterschiede besprochen hatten, war es Zeit, ordentlich mit dem Shooting loszulegen. Wir haben wieder das "Pseudo-Ring-Licht" aufgebaut und innerhalb etwa einer Stunde ein paar fantastische Fotos produziert.
Scott Lewis
Markus Wochele
Da wir die Lichter nicht viel bewegt haben, gibt es auf der Diagrammseite nicht allzuviel zu zeigen. Wir wollten ja auch nur den Einfluss unterschiedlicher Lichtformer ausprobieren und vergleichen.
Und zu guter letzt natürlich wie immer ein Behind the Scenes Video und das obligatorische Gruppenbild.
Lichtsetzung – Die ersten Schritte Teil 1
In den letzten Wochen hatten wir eine Menge mit Studiogästen und Interessierten zu tun, die etwas mehr über Beleuchtung wissen wollten. Wenn man die Kontrolle über die Beleuchtung übernimmt, hat man wesentlich mehr Einfluss auf das finale Bild, es ist jedoch nicht ganz einfach zu verstehen. Es gibt nicht einen einzigen Weg, das Licht richtig zu setzen, sondern es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Alle Möglichkeiten biete eine andere/ eigene Art von Belichtungseffekt. Das Set-up, das gewählt werden sollte, ist abhängig vom Objekt (Modell, Gegenstände), welches in Szene gesetzt werden soll, sowie dem Ergebnis, welches man erzielen will. Je mehr sich das Wissen, die Erfahrung und das Equipment verbessert, desto komplexere Beleuchtungs-Set-ups können angewendet werden.
Die Folgenden Set-ups zeigen die grundlegenden Vorgehensweisen auf; sollten aber nicht als perfekte Set-ups betrachtet werden, sondern eher als Set-up, welche leicht nachgestellt und anschließend erweitert und angepasste sowie optimiert werden können. Dies kann man entweder hier im Studio vornehmen oder mit den eigenen Blitzen ausprobieren. Wir gehen hier bewusst nicht auf die Verwendung von Lichtformern (wie Soft-Boxen, Regenschirme, etc.) ein, da es viel zu viel für dieses Thema wäre. Dies werden wir jedoch in Zukunft genauer betrachtet und beschreiben. Es sollte ebenfalls beachtet werden, dass auch die Höhe der Lichter beim Einrichten eines Set-ups eine sehr wichtige Rolle spielt.
Set-up mit einem Licht
Ein Set-up mit nur einem Licht ist ideal für einfache Fotoshootings und Fotografen, die bisher noch nicht über viel Belichtungsequipment verfügen. Die Kamera wird direkt vor dem Objekt aufgestellt, mit einem einzigen Licht dicht an der Seite vom Fotografen. Das Licht wird direkt auf das Motiv ausgerichtet. Da ein einzelnes Licht dazu neigt, viele Schatten zu erzeugen, sollte ein weißer Reflektor auf der gegenüberliegenden Seite – außerhalb des Bildes – platziert werden. Wenn kein Reflektor vorhanden ist, können auch andere Gegenstände (bspw. Papier, Pinnwand, Styropor oder auch einfach eine Wand) mit weißer Oberfläche verwendet werden. Es ist ein sehr einfacher und günstiger Weg für den Einstieg und kann bei richtiger Anwendung zu gefühlsbetonten Ergebnissen führen.
Set-up mit zwei Lichtern
Die einfachste Studiobeleuchtung wird mit zwei Standard-Blitzen eingerichtet. Das erste der beiden Lichter (Schlüssel-Licht/Key-Light genannt) wird vor dem Objekt (zwischen dem Motiv und der Kamera) leicht seitlich versetzt eingerichtet. Das Licht sollte direkt mit „Blick“ auf das Objekt ausgerichtet werden. Da ein derartiges Licht eher hart ist, sollte es mit einer Softbox oder einem Schirm abgeschwächt werden. Das zweite Licht wird hinter und ein wenig oberhalb des Objektes (außerhalb des Bildes) platziert. Dieses Licht wird Haar- (Hair-) oder Rand-Licht (Rimlight) genannt, da es einen weichen Lichtkranz um das Objekt erstellt. Hinweis: Das Haar-Licht benötigt mehr Leistung als das Schlüssel-Licht (Key-Light), damit der gewünschte Lichtkranz-Effekt (Rimlight) entstehen kann.
Bei einem weiteren einfachen Set-up mit zwei Lichtern, werden beide Lichter vor dem Objekt (links und rechts) in gleicher Position platziert. Aus dem Mittelpunkt beider Lichter wird anschließend das Objekt fotografiert. Eines der Lichter wird mit höherer Leistung als das andere verwendet. Das Licht mit mehr Leistung ist das Schlüssel-Licht (Keylight), das mit der schwächeren Leistung ist das Füll-Licht (Fill-Light). Werden beide Lichter mit gleicher Leistung betrieben, ergibt dies ein sehr flaues, glanzloses Licht.
Beim dritten einfachen Set-up, werden beide Lichter auf einer Seite platziert, dies liefert ein eher dramatisches Licht. Es werden beide Lichter entweder links oder rechts platziert neben dem Fotografen platziert, das Licht, welches vom Fotografen am weitesten entfernt ist, ist das Schlüssel-Licht (Keylight), das andere ist das Füll-Licht (Fill-Light). Mit diesem Set-up werden sehr einfach coole Effekte ermöglicht.
Set-up mit drei Lichtern
Ein einfaches Set-up mit drei Lichtern ist eine Kombination aus dem „Set-up mit zwei Lichtern“. Es wird jeweils ein Licht links und rechts neben der Kamera platziert. Eines der beiden Lichter wird als Schlüssel-Licht (Keylight) eingerichtet, das andere als Füll-Licht (Fill-Light). Das dritte Licht wird als Haar-Licht (Hair-Light) platziert und eingerichtet.
Durch die Umkehrung dieses Set-ups wird ein gänzlich anderes Ergebnis erzielt. Das Schlüssel-Licht (Keylight) wird seitlich neben der Kamera platziert, die beiden weiteren Lichter werden hinter dem Objekt links und rechts als Haar-Licht (Hair-Light) eingerichtet.
Clamshell Set-up
Das Clamshell Set-up bietet das weichste Licht und eignet sich ideal für Beauty-Shots. Die Kamera sollte gerade zum Objekt platziert werden (auf Augenhöhe, wenn ein Modell oder direkt geradeaus, wenn ein Gegenstand verwendet wird). Das hellste Licht sollte oberhalb der Kamera mit leichter Neigung nach unten – so dass direkt das Objekt anvisiert wird – platziert und ausgerichtet werden. Das kleinere Licht sollte unterhalb der Kamera mit leichter Neigung nach oben – so dass direkt das Objekt anvisiert wird – platziert und ausgerichtet werden. Der Fotograf erstellt das Bild direkt zwischen beiden Lichtern, so dass „Muschelform“ um die Kamera entsteht.
Das Schlüssel-Licht (Key Light)
Das Schlüssel-Licht wird auch als Haupt-Licht bezeichnet und ist in der Regel zu einer Seite des Objektes – zwischen 30 und 60 Grad geneigt zum Mittelpunkt – und etwas oberhalb der Augenhöhe platziert und ausgerichtet. Das Schlüssel-Licht ist das hellste Licht im Belichtungsplan.
Das Füll-Licht (Fill Light)
Das Füll-Licht wird gegenüber dem Schlüssel-Licht platziert. Es füllt das Licht auf oder schwächt die Schatten auf der gegenüber liegende Seites das Objektes (beim Modell die entsprechende Gesichtshälfte) ab. Die Helligkeit des Füll-Lichtes bewegt sich in der Regel zwischen 1/3 und 1/4 des Schlüssel-Lichts.
Das Haar-Licht (Hair Light)
Das Haar-Licht wird auch als Rand-Licht bezeichnet und wird hinter dem Objekt – außerhalb des Bildes – und oftmals höher als das Schlüssel- und Füll-Licht platziert. Der Zweck des Haar-Lichtes ist, eine Trennung vom Hintergrund durch Hervorhebung des Objektes (Schultern und Haare) zu erzielen. Das Haar-Licht sollte gerade so hell sein, dass diese Trennung erzielt wird, jedoch nicht heller als das Schlüssel-Licht.
Der Kicker
Der Kicker wird aus als Druckknopf bezeichnet. Der Kicker ist normalerweise ein kleines Licht, oft mit einem Tubus oder Scheunentor genutzt, um seine Reichweite zu begrenzen. Es wird hauptsächlich verwendet, um einen Hauch von „Pop“ hinzufügen, um feine Details oder feinen Schatten zu erzeugen. Die Platzierung und Helligkeit eines Kickers ist eine Frage des Geschmacks und der Technik. Manchmal wird das Haar-Licht nur an die Seite des Füll-Lichts gesetzt. Dies fügt Kantendetails zur Schattenseite des Gesichts des Modells hinzu. Dies hat zudem den Effekt eines Kickers, wobei hier nur die Lichter einer Basis Drei-Punkt-Beleuchtung verwendet werden.
Hintergrund-Licht
Das Hintergrund-Licht ist nicht so der Bestandteil eines Portrait-Beleuchtungsplans, es wird eher eingesetzt, um den Hintergrund des Motivs zu beleuchten. Hintergrund-Lichter können einzelne Details hervorheben, einen Lichtkranz durch die Beleuchtung eines Teils der Kulisse hinter dem Kopf des Modells erzeugen oder lässt den Hintergrund, durch eine entsprechende Ausleuchtung, weiß werden.
Models sind auch Menschen!
Bei unseren Fotoshootings sind die meisten unserer Models ganz normale Leute, die selbstverständlich nicht über die Erfahrung eines Topmodels verfügen, daß Tausende von Dollars am Tag verdient. Genau aus diesem Grund ist das richtige Zusammenspiel mit einem Model sehr wichtig. Der Schlüssel zu einem gut geschossenen Foto liegt somit darin, es aussehen zu lassen, als wäre es nicht gestellt.
Dies zu erzielen, liegt natürlich hauptsächlich in den Händen des Models, das fähig ist im richtigen Moment die richtige Pose und Mimik abzurufen. Aber auch von Seiten des Fotografen gibt es einige Techniken, die dazu beitragen, daß das Foto nicht gestellt wirkt. Indem man sich diese Techniken zu Eigen macht, kann man das Model zu einer natürlichen Pose und Mimik verhelfen.
Zusammenspiel mit dem Model
- Der Fotograf muss den richtigen Umgang mit einem Model erst einmal erlernen. Es gibt nichts, was ein Fotoshooting mehr ruinieren kann, als ein Fotograf und ein Model, die sich nicht verstehen und interagieren können. Unterhalte Dich daher im Vorfeld mit Deinem Model und gib ihm zu verstehen, auf was es im Fotoshooting ankommt. Schon mit ein wenig Smalltalk kann man erzielen, dass sich das Model in der Studioatmosphäre wohler fühlt.
Planung und Wahl der Beleuchtung
- Mach Dir im Vorfeld Gedanken über verschiedene Einsatzmöglichkeiten von Lichtquellen. Während professionelle Models es gewohnt sind in allen Umgebungen zu posen, kann ein unerfahrenes Model durch harte und zu direkte Lichtquellen irritiert werden. Außerdem kann ein Fotoshooting durch zu starkes und warmes Licht schnell unerträglich und das Model dadurch nachlässig in seinen Posen werden. Eine gute Planung von Seiten des Fotografen im Vorfeld, ist hilfreich, um die Zeit in solchen unangenehmen Situationen zu verkürzen. Je besser sich der Fotograf vorbereitet, umso schneller kommt er zu den gewünschten Bildern, was wiederum für das Model eine kürzere Zeit im warmen Studiolicht bedeutet.
Set und weiterer Aufbau
- Wenn möglich passe das Set an Dein Model an. Sofern kein bestimmter Hintergrund, Requisite oder Kleidung für ein Fotoshooting gewünscht ist , sollte sich der Fotograf bei der Wahl der Kleider und der Requisiten mit dem Model absprechen, damit sich das Model darin wohl fühlt. Wenn man in unangenehmen Locations shooten muss, dann vergewissere Dich, daß du Dein Model konstant ermutigst, daß es durch hält bis du das richtige Bild hast. Wenn notwendig mache lieber mehrere Pausen, v.a. wenn man in einer kalten, nassen Umgebung fotografiert oder unter besonders schwierigen Umständen.
Freunde und Familie
- Stell Dir vor, daß von Dir erwartet wird, alleine vor Leuten die Du nicht kennst zu modeln. Dies fällt nicht jedem leicht, daher wird sich ein unerfahrenes Model wahrscheinlich wohler fühlen, wenn es von dem besten Freund/Freundin oder einem Familienmitglied begleitet wird. Allerdings kann dies auch kontraproduktiv sein, z.B. kann ein überbeschützender Partner ziemlich eifersüchtig werden, wenn das Model dem Fotografen heiße Blicke zuwirft. Ich empfehle daher immer den besten Freund/Freundin oder ein Geschwisterteil mitzubringen, da diese das Model besonders gut kennen und auch ein paar Tipps für das Model haben, wie es sich richtig in Szene setzen kann.
Grenzen und persönlicher Kontakt
- Man weiß ja nie was alles passieren kann. Aus diesem Grund solltest du Dich absichern und die ganze Zeit während des Fotoshootings eine körperliche Distanz zum Model halten. Fotografiere nie ohne einen Modelvertrag. Vermeide jeden körperlichen Kontakt mit dem Model, der irritierend sein könnte. Bitte immer Deinen Assistenten oder die Begleitung des Models um Hilfe, wenn es z.B. darum geht „die Haare aus dem Gesicht zu streichen“, „das Kleid zurecht zu rücken“, „die BH-Träger zu verstecken“ etc.. Bei minderjährigen Models ist es verpflichtend, daß entweder die Eltern oder Erziehungsberechtigten beim Fotoshooting anwesend sind.
Verträge und gegenseitiger Respekt
- Schließe immer einen Modelvertrag ab. Kein Vertrag – kein Fotoshooting. Der Vertrag dient dazu sowohl das Model als auch den Fotografen vor jedmöglichen Missverständnissen zu schützen. Der Vertrag sollte folgende Punkte abdecken: die Art des Fotoshootings, den Ort, die Bezahlung, wer über die Bildrechte verfügt, wie und wo diese veröffentlicht werden (Web, Print etc.), ob das Model mit Namen genannt werden möchte oder unter einen Pseudonym, und so weiter. Es kann sein, daß Du das Bild Deines Lebens geschossen hast - wenn das Model es aber nicht mag und es nicht veröffentlicht haben möchte, sollte man dies respektieren (so hart und unlogisch einem dies als Fotografen auch manchmal erscheinen mag).
Abschließend noch ein paar Fakten, die man im Hinterkopf behalten sollte. Es gibt grundsätzlich 3 Verhaltensarten einer Person, sobald die Kamera auf sie gerichtet ist. Diese Erkenntnis bezieht sich nicht aus irgendeiner hochoffiziellen Studie, sondern entspricht dem was ich in meiner langjährigen Erfahrung als Fotograf an Menschenkenntnis gesammelt habe und sollte daher nicht so streng genommen werden:
1. Der Exhibitionist: Dieser Typus Model steht gerne im Mittelpunkt aller Personen um ihn herum. Insofern besteht keine Schwierigkeit darin, ihn zum posen und agieren zu animieren, allerdings kann dem Fotografen einiges dabei abverlangt werden. Häufig lässt sich so jemand gerne von außen ablenken, verfügt aber auch über eine gute Auffassungsgabe um Vorschläge von anderen umzusetzen und ist häufig zu „fast“ allem bereit. In diesem Fall sind Kommentare des Fotografen wie „Ah, das ist so sexy…“ und „Zeig mir mehr, gib mir mehr…“ willkommen, allerdings sollte man es als Fotograf auch nicht übertreiben, sondern immer noch etwas Spielraum für mehr Action lassen. Manchmal besteht die größte Schwierigkeit darin, das Model am Ausziehen zu hindern.
2. Der Introvertierte: Nicht selten steht diese Typus Model einfach nur da wie ein erschrecktes Reh im Scheinwerferlicht eines Autos. Allerdings wäre man überrascht zu beobachten, wie viele Personen tatsächlich zum „Reh im Scheinwerferlicht“ werden, sobald der Fokus auf sie gerichtet ist. Bei diesen Models hilft sogar nicht mal die Holzhammermethode, um sie aus der Reserve zu locken. Aus diesen Grund sorgen wir dafür, daß unser Studio-Kühlschrank vor jedem Fotoshooting mit Bier aufgefüllt wird – nicht für das Model, aber für unsere Nerven.
3. Der Ambitionierte: Er/sie fängt schüchtern an zu posieren und scheint im ersten Moment eher zurückhaltend, aber mit genügend Ermutigungen wird er/sie aus sich heraus gehen. Der Ambitionierte ist in Wirklichkeit vielleicht sogar ein Introvertierter in dem sich das Wesen eines Exhibitionisten versteckt. Ein Fotoshooting mit diesem Typus Model lohnt sich für einen Fotografen am meisten, da man die ganze Zeit über eine große Auswahl toller Fotos erzielt.
Den Blick schärfen – Teil 1
Jedes mal wenn ich (Scott) mit der Kamera unterwegs bin freue ich mich wie ein kleines Kind. Ich hoffe ich entdecke etwas oder werde inspiriert für neue Fotos. Ich will nicht irgendetwas altes noch mal machen sondern etwas entstehen lassen welches meine "Kamerakunst" und "was ich sehe" zusammenfügt. Das hört sich sehr einfach an, aber zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein und das richtige Licht zu haben passiert äußerst selten. Doch das Gefühl zu wissen "Ich habe DAS Bild gemacht" ist oft sehr zufriedenstellend. Und so viel ich weiß, bin ich nicht allein mit diesem Gefühl.
Vor ungefähr zehn Jahren war ich am Bodensee. Es war kurz vor Sonnenuntergang und auf dem See war viel los, da die Boote vor der Dunkelheit zurückkehrten. In dem Moment konzentrierte ich mich einmal nicht auf das Fotografieren sondern genoß die Szenerie, welche sich mir bot. Auf einmal hörte ich zehn Meter von mir weg jemanden rufen: "JA! JA! JA!" Ich konnte nicht widerstehen und fragte den älteren Herrn was passiert sei. Er antwortete prompt: "Ich habe gerade das beste Foto meines Lebens gemacht!" Ich verstand sofort wie es ihm ging und worüber er sich so sehr freute.
Oft denke ich über all dies nach wenn ich fotografieren gehe: "Wie werde ich wissen, ob ich das beste Foto meines Lebens gemacht habe?" "Habe ich es schon gemacht?" "Was macht mein bestes Foto aus?" etc., etc., etc.
Seit diesem Erlebnis am Bodensee habe ich schon viele Bilder gemacht auf die ich sehr stolz bin. Aber es hat mich zum Nachdenken gebracht, was für uns ein tolles Foto ist. Was ich mag, mag ein anderer nicht. Es gibt definitiv Bilder von Fotografen wie "Henri Cartier-Bresson", "Dianne Arbus", "Helmut Newton" oder "Vivian Maier" um einige zu nennen, die ein gewisses "Etwas" haben. Sie hatten nicht den Zugang zu der Technologie die wir heute anwenden, aber sie haben Fotos gemacht, die einfach atemberaubend sind. Es scheint sie hatten eine gute Beziehung zu ihrer Umgebung, verstanden das Licht, ahnten den rechten Zeitpunkt und sahen die Welt mit anderen Augen. Mit einem einzigen Bild war es ihnen möglich zu sagen: "So sehe ich die Welt".
Fotografie ist die Kunst Licht einzufangen. Egal ob im Studio, draußen auf der Straße oder mit einem Stativ: Man muss Licht verstehen. Für manche ist das ganz natürlich, für andere irgendwie nachvollziehbar. Sogar bevor ich die Kamera vor mein Auge halte, versuche ich das Foto zu sehen, damit ich mir das Lichts bewusst mache. Durch die Qualität des Lichts und das Potential welches es hat, die Welt um mich herum zu verwandeln, versuche ich mich an das Subjekt heranzuführen.
Dieser Ansatz des Sehens basiert auf drei einfachen Fragen:
Woher kommt das Licht?
Das Bewusstsein woher das Licht kommt (beides: die Quelle und Richtung) sagt Dir welche Einstellungen Du auf Deiner Kamera benutzen kannst, um die beste Belichtung zu erhalten. Es hilft Dir auch dabei, wie und wo Du Dein Subjekt und Deine Kamera im Bezug zu diesem Licht am besten positionieren kannst. Sobald Du siehst woher das Licht kommt, tranierst Du Dein Auge um die verschiedenen Arten von Licht zu analysieren und wie das Licht sich verwandelt wenn es auf verschiedene Objekte trifft (z.B. wenn es auf einer großen weißen Wand reflektiert wird).
Welche Qualität hat das Licht?
Sobald Du weißt woher das Licht kommt, kannst Du anfangen seine physikalischen Qualitäten zu analysieren. Kommt das Licht von einer starken Mittagssonne, dann siehst Du die barschen, tiefen Schatten welche es auf der anderen Seite des Subjekts und anderen Elementen in dem Bild entstehen lässt.
An einem bedeckten Tag ist dieselbe Sonne durch die Wolken gefiltert und lässt ein gestreutes Licht entstehen, welches die Schatten weich macht und den Kontrast von Hell und Dunkel reduziert.
Ist die Lichtquelle eine Kerze, ist das Licht nicht nur weich, sondern hat eine warme Farbe - ganz anders als das Licht, welches durch einen eingebauten Blitz in der Kamera entsteht, welches eher grell ist.
Mit wieviel Licht muss ich arbeiten?
Diese Frage ist entscheidend, denn sie bestimmt Deine Fähigkeit um ein gut belichtetes und scharfes Foto zu machen. An einem hellen Tag hast Du eine Fülle an Licht mit welchem Du arbeiten kannst, was bedeutet, daß Du auch viele Möglichkeiten hast die Belichtungszeit, den Blendenwert und den ISO-Wert zu kombinieren und zu nutzen.
Bei schwachem Licht (zum Beispiel bei Abenddämmerung) sind diese Möglichkeiten begrenzt und Du mußt Kompromisse eingehen - z.B. eine langsamere Belichtungszeit und dafür an Schärfe verlieren oder eine größere Blende und dafür weniger Schärfentiefe erhalten.
50er Retro Shooting

Zugegeben, das Shooting liegt schon ein paar Tage zurück, doch nun ist es an der Zeit, meine Erfahrungen mit euch zu teilen.
Die Idee eines Retro-Shootings hatte ich (Markus) schon seit langem, doch manchmal ist es ganz gut, wenn die Sache etwas reifen kann. Dies hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen kann man die Ideen erweitern und auch vieles reflektieren lassen. Ihr kennt das sicherlich selbst. Anfangs findet man manches richtig toll und kaum legt man es ein paar Tage, Wochen oder gar Monate weg, betrachtet man es anschließend aus einem ganz anderen Blickwinkel.
Über die Model-Kartei suchte ich ein passendes Modell und bin auf Regina aufmerksam geworden. Nach kurzer Kontaktaufnahme stand schon der erste Termin für ein Treffen fest. Wir verabredeten uns zu einer Vorbesprechung und hatten uns in lockerer Atmosphäre über unsere Vorstellungen unterhalten. Vorab hatte ich mich im Internet rund um den 50er Jahre Stil erkundigt und einige typische Besonderheiten dieser Zeit notiert, unter anderem:
- Enge wadenlange Röcke
- Weite Röcke mit Petticoat
- Punkte auf Stoff
- Balerinas
- Schuhe mit hohen spitzen Absätzen
Dann noch:
- Kirschrote Lippen
- Hochfrisuren bei Frauen
- Pferdeschwanz
- Schleifchen
- Knopfohrringe
- Große Sonnenbrille
- Blume im Haar
Natürlich sollte neben der Kleidung und den Accessoires auch das Make-up passen:
- Make-up eher dezent, abgesehen von Lidstrich und Lippenstift
Als Lichtquelle hatte ich sehr oft (beinahe bei jeder Aufnahme) immer einen Beauty Dish im Einsatz. Je nach Hintergrund und Bildgestaltung nutzte ich noch andere Lichtformer.
Es war wirklich ein geniales Shooting, und hat sowohl dem Modell als auch mir sehr viel Spaß bereitet! Nach drei verschiedenen Outfits waren alle gewünschten Bilder im Kasten.
Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Blogartikel ein paar Anregungen geben, manchmal helfen einem - oder zumindest mir - oft schon ein paar Stichworte, um die eigenen Ideen aufs Papier zu bringen.
- Markus (photovitality)
Erfahrungsbericht: Studio-Einsteiger

Wow, dies ist der erste Blogeintrag, der von jemand anderem als den vier lightGIANTS geschrieben wurde... Danke an "D" für den coolen Gastartikel...
Von: Deana Maksimović-Vidanović
Der "Friday Night Shoot" Workshop "Studio 101" im lightGIANTS Studio war meine erste Erfahrung im Studio. Davor war ich nur im Studio, Passfotos machen zu lassen. Als Scott vorgeschlagen hat, dass wir einen Anfängerkurs machen, habe ich, zusammen mit Carlos und Tim – alten Weggefährten aus dem Flickr Klub Karlsruhe , die Gelegenheit beim Schopf gepackt.
Ich habe ungefähr 2003 angefangen, mich für Fotografie zu interessieren. Aber erst 2005 habe ich mich bei Flickr angemeldet. Nachdem ich ein paar Jahre mit verschiedenen Genres experimentiert habe (hauptsächlich Streetfotografie und Urbane Landschaftsaufnahmen), habe ich mich auf Porträts konzentriert und nach der Geburt meiner Tochter auf Kinderfotos.
Ich arbeite beim Fotografieren fast ausschließlich mit dem verfügbaren Licht, denn ich empfinde es als Herausforderung, mit den begrenzten Möglichkeiten zu arbeiten. Ich glaube auch, dass diese Atmosphäre von natürlichem Licht das ist, was bei Studiobildern fehlt. Ich möchte nicht behaupten, dass ich letzten Freitag eines besseren belehrt worden bin, aber mein erstes Shooting in einem Studio war eine sehr spaßige, positive Erfahrung, die ich gerne wiederholen möchte.
Scott hat zu Anfang die Grundlagen erklärt - wie man die Blitze einstellt, wo man sich hinstellt, wo die Models stehen, wie man die Kamera einstellt. Ich habe festgestellt, dass es viel Arbeit ist, im Studio alles so einzustellen, wie man es haben will. Man muss dabei durchaus Berechnungen ausführen und ein paar Grundlagen der Optik beachten. Andererseits, wenn man einmal die Grundlagen gelernt hat, kann man seiner Vorstellung freie Hand lassen. Zwei Lichter, warum nicht drei? Eine unserer Einstellung bestand aus einer Softbox vor dem Model, ein direkteres, härteres Licht dahinter und eine kleinere Lichtquelle um die Schatten zu reduzieren. (Fast) alles ist möglich!
Tiffie und Oxana waren unsere Models an dem Tag und der erste Bildstil war High-Key, mit einem weißen Hintergrund. Ich persönlich bevorzuge ein dezenteres Licht und einer dunkleren Umgebung, daher war mein Lieblingsaufbau mit einem dunkelrotem Hintergund und zwei frontalen Streiflichtern, die eine ungewöhnliche Reflektion in den Augen der Models erzeugt haben. Die Mädels waren sehr geduldig und haben es geschafft, drei Stunden lang zu lächeln! Es ist wohl doch nicht so leicht ein Model zu sein, wie es scheint.
Ich habe eine Menge bei diesem Shooting gelernt, nicht nur das technische Know-How, sondern habe auch gelernt, was für ein Aufwand es ist, ein solches Shooting im Studio zu organisieren. Unsere Gastgeber haben eine Menge Liebe und Enthusiasmus in diese Sache gesteckt. Ich freue mich schon auf den nächsten Workshop und ich bin mir sicher, dass es noch viele Leute gibt, die lernen wollen, wie es ist in einem Studio zu fotografieren - warum sollte man diesen Kurs nicht regelmäßig anbieten? Ich bin sicher, die Warteschlange würde von hier bis Frankreich reichen!







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